Weil der Mai so kalt war, sind beim Rosenfest nur wenige Blüten zu sehen. Dafür trumpfen die Macher mit einem tollen Programm, kühler Bowle, Fachwissen und Pflanzen zum Mitnehmen auf.

Von Susanne Glas

Hof - Flotte Musik, spritzige Bowle, leckere Häppchen und - ganz wichtig - wunderschönes Wetter: Auf den ersten Blick hat das zwölfte Rosenfest im botanischen Garten am Theresienstein am gestrigen Sonntag mit allem aufgetrumpft, was seine treuen Besucher so schätzen. In einer ganz entscheidenden Sache aber hat es sich von den elf vorherigen Rosenfesten unterschieden: Rosenblüten gab es durch den kalten Mai in diesem Jahr nur sehr wenige zu sehen. Und so kam es, dass die Pfingstrosen den Rosen den Rang abliefen - allerdings mitnichten weniger prachtvoll und farbenfroh.

Doch davon ließen sich weder die Laien noch die vielen kundigen Hobbygärtner die Laune verderben, die bereits zur Eröffnung in Scharen auf das sonnige Gelände strömten. Wegen des WM-Spiels Deutschland gegen England am Nachmittag hatte der Förderverein Botanischer Garten den Startschuss für das Rosenfest extra vorverlegt - und gut daran getan. Schon kurz nach elf Uhr waren sowohl Park- als auch Sitzplätze heiß gehandelte Mangelware.

Dicht an dicht schlängelten sich die Besucher vorbei an zahlreichen Ständen, schauten hier, kosteten da und verschnauften dort. Ein Stelle, wo so gut wie jeder Halt machte, war der Stand von Doris Wuttke. Sie füllte das in Gläser, was Wolfgang Krauß zuvor hinter verschlossenen Türen gebraut hatte: Rosenbowle. Kühl, prickelnd und mit Schuss fand sie derartig reißenden Absatz, dass Krauß kaum ein Verschnaufpäuschen blieb. "Pro Jahr verkaufen wir über 120 Liter", erzählte er in seiner Alchimisten-Küche, wo er die edlen Zutaten nach geheimer Rezeptur vermischte: halbtrockener Riesling aus der Pfalz, Sekt, Sprudel aus dem Höllental, ein Schuss Rosensirup und natürlich Rosenblätter. Letztere steuern übrigens die vielen fleißigen Mitglieder des Fördervereins aus ihren Privatgärten bei. In diesem Jahr hat Wolfgang Krauß erstmals auch eine eigene Kinderbowle kreiert: aus Holundersirup, Selterwasser und - natürlich - Rosenblüten.

Nachdem sich die Zielgruppe für diese Neukreation gestärkt hatte, war sie an den Montessori-Ständen richtig: Unter Leitung von Marianne Teckelmann (Casa) pflanzten die Kinder begeistert Feuerbohnen, die - bei guter Pflege - zu Hause austreiben und wachsen. Karin Weser, die stellvertretende Leiterin der Montessori-Schule Berg ließ die Kinder Holzbuchstaben erfühlen, über einen Barfuß-Pfad laufen und Getreidesorten unterscheiden.

Die meisten Eltern und Großeltern nutzten die Zeit für einen Bummel. Zum Beispiel in Richtung Pflanzenbasar, wo Walter Korn und andere rührige Vereinsmitglieder grüne Produkte aus der Stadtgärtnerei an den Mann brachten - für den guten Zweck, versteht sich.

rosenfest1

Geschmückt mit Dutzenden Rosenblüten, wandelte die amtierende Rosenkönigin Isabell Niclas über das Festgelände. Dieter Steinlein sorgte als Königinnenführer dafür, dass das Kleid heil blieb. Foto: Sammer

 

rosenfest2

Seit zwölf Jahren mixt Wolfgang Krauß in seiner "Alchimisten-Küche" die heiß begehrte Rosenbowle. Foto: glas

 

rosenfest3

Schwämme auswringen - und dabei die Motorik schulen. Viele Kinder besuchten den Stand der Montessori-Schule Berg, um kreativ zu werden.

 


 

Die Pfingstrose

Die Pfingstrosen (Paeonia) sind die einzige Pflanzengattung der Familie der Pfingstrosengewächse, haben also mit der Rose selbst, zu Ehren derer das Rosenfest ja veranstaltet wird, überhaupt nichts zu tun.

Deshalb sind Pfingstrosen aber nicht weniger faszinierend: Bis ins 19. Jahrhundert wurden sie als Mittel gegen Epilepsie eingesetzt. In der Volksmedizin wurde der Rauch aus den Samen zur Behandlung von "Besessenen" verwendet.

Pfingstrosen tauchen in den mittelalterlichen Tafelgemälden bereits auf, da sie in der christlichen Symbolsprache Reichtum, Heil, Heilung und Schönheit symbolisierten.

Additional information